Saisonrückblick 2018.. und etwas weiter

#iwillbeback das war das Hashtag, das ich Ende Saison 2017 und in der Vorbereitung zur Saison 2018 in meinen paar wenigen Posts auf den sozialen Netzwerken verwendet habe. Es stand stellvertretend für mein Ziel in der Saison 2018 Ich werde zurück sein!

Um dieses Ziel nachzuvollziehen muss man einige Zeit zurückblicken. Um genau zu sein muss man kurz meine gesamte Karriere im Überblick sehen, deshalb ein (mehr oder weniger) kurzer Abriss davon: Nachdem ich im Jahr 2007 mein erstes Rennen gefahren bin und 2008 das erste Mal zuoberst auf einem Treppchen stehen durfte, gewann ich 2009 die Gesamtwertung im Racer Bikes Cup (heute Proffix Swiss Bike Cup). Die kommenden Jahre fuhr ich nie wirklich schlecht, jedoch nicht mehr ganz an der Spitze. Im Jahr 2011 kam eine schwierige Entscheidung auf mich zu, die jeder junge Sportler treffen muss: Sport mit einer Sportschule o.Ä. oder Beruf mit einer Lehre? Ich entschied mich für zweiteres, wobei ich den wohl schwerstmöglichen Weg gewählt habe: 4 Jahre Lehre zum Automatiker, 1 Jahr Berufsmatura, anschliessend Rekrutenschule. Alles Vollzeit. Aufgrund einer kleinen Änderung wurde ich im Sommer dieses Jahres mit der Berufsmatura fertig und war damit ein halbes Jahr später als ursprünglich geplant fertig mit alldem.

Die sportlichen Leistungen entsprachen immer der Belastung. Während der Lehre (Saisons 2012-16) fuhr ich nie wirklich konstant, teilweise sehr gut, nie aber top. Aufgrund der Belastung der Rekrutenschule war es mir in der Saison 2017 nie möglich ein einziges vorzeigbares Ergebnis zu erreichen. Meist «gurkte» ich sogar nahe dem letzten Rang rum. Mit etwas mehr Platz für Training während der Berufsmatura wurde die Saison 2018 nun zur Saison im Zeichen von #iwillbeback! Ich wollte den Anschluss an die erweiterte Spitze der nationalen U23 schaffen und somit die Basis für meine Zukunft legen. Und damit zum eigentlichen Saisonrückblick:

Nach einem zwischenfalllosen und intensiven Winteraufbau mit zwei Wochen Trainingslager in der Sonne Lanzarotes und einem für den Anfang nicht schlechten Argovia-Cup Rennen in Lostorf ging ich hoffnungsvoll an den Start des ersten wichtigen Rennens in Rivera. Im international stark besetzten Feld wurde ich auch durch die Mithilfe eines Plattens überrundet. Ende der Geschichte. Ein Rennen wie 2017… Glücklicherweise war die Saison ja noch jung. Und von nun an gings bergauf. Ich konnte zwei Wochen später bereits mit einem 19. Rang in Schaan mein Potenzial andeuten. Wiederum zwei Wochen später fuhr ich in Solothurn das beste Swiss Bike Cup Rennen seit Jahren und fuhr auf Rang 14, trotz Stau in der Startphase nur 2:30 hinter dem Sieger. Ich fuhr weitere ansprechende mal bessere, mal weniger gute Rennen und fokussierte mich voll und ganz auf die Schweizermeisterschaft Ende Juni in Andermatt. Das Ziel war die Top-15. DNF (Did Not Finish) war es am Ende. Herbe Enttäuschung, wieder ein Rennen wie 2017, starke Motivationsprobleme, Wettkampfpause.

Die Motivation kam in der relativ langen Wettkampffreien Zeit zurück. Das Training funktionierte wieder gut und ich war zuversichtlich für die kommenden Rennen. Die Wettkämpfe starteten im August gleich mit vier Rennen in Folge. Erfreulicherweise war ich zurecht optimistisch, denn nach einem nicht schlechten ersten Rennen in Langendorf SO fuhr ich in Villars-sur-Ollon trotz einiger technischer Probleme auf einen sehr guten elften Rang. Der Fokus lag aber auf dem vierten dieser vier Rennen in Muttenz. Es war das letzte Rennen vor der Weltmeisterschaft in der Lenzerheide und damit war mit einiger internationaler Konkurrenz zu rechnen. Ich wollte einfach mitfahren und schauen, wie weit meine Kraft reicht. Sie reichte ziemlich weit und trotz dauernder Aufholjagt konnte ich lange nahe der grossen Spitzengruppe bleiben und beendete das Rennen auf Rang 19. Viel wichtiger als der Rang war aber die Gewissheit, dass mein Wettkampf-Grundtempo viel näher an die Spitze kam als in früheren Rennen diese Saison (siehe Rivera und Andermatt…). Drei Wochen danach folgte mein Saisonabschluss in Carona. Ich wollte noch einmal zeigen, was ich kann. Leider kam es etwas anders und ich fuhr als etwas enttäuschenden Abschluss noch einmal wie im 2017. Dieses Rennen lässt sich aber gut verkraften, auch weil die Wochen davor ziemlich stressig waren. Warum waren sie stressig? Darum:

Wie erwähnt stand die Saison 2018 nach Abschluss meiner Ausbildungen einerseits im Zeichen von Zurückkommen in sportlicher Sicht, andererseits aber standen dadurch neue Entscheidungen an, da ich nicht auf ein Vollprofidasein setzen kann und will. Es entstand ein gewisser luftleerer Raum nach Abschluss der Berufsmatura, was bestimmt eher zum Misslingen als zum Gelingen der Schweizermeisterschaft in dieser Zeit beigetragen hat. Ich entschied mich, eine teilzeit-Arbeitsstelle zu suchen, wobei ich mir mein Leben selbst finanzieren, gleichzeitig aber professionelle Trainings-umfänge meistern kann. Idealerweise eine Arbeit, die mir ebenso Spass macht, wie der Sport und somit der perfekte mentale Ausgleich darstellt. Tatsächlich fand ich eine solche alles andere als normale Stelle. Ich darf nun seit dem 1. September 2018 bei Robotec Solutions AG in Seon in der Softwareentwicklung robotergestützter Automationsanlagen arbeiten. Für mich die «eierlegende Wollmilchsau», da es neben der unheimlich interessanten und geistig fordernden Arbeit die Möglichkeit zum Spitzensport offenlässt. Diese Arbeit hat direkt am Montag nach Muttenz angefangen, worin auch der erhöhte Stress vor Carona seine Ursache findet.

Somit ist jetzt die Grundlage in allen Belangen gelegt. Ich kann nach der RS-Saison 2017 wieder mitfahren. Meine Zukunft in der Arbeitswelt darf ich als gesichert betrachten. Zudem wurde aus sportlicher Sicht mein Potenzial bewusst noch nicht voll ausgeschöpft.

Auf mich wartet nun ein gewaltiges Stück Arbeit, um in den kommenden Jahren nicht nur zur erweiterten Spitze zu gehören…

#iamback

#timetoattack

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