Was für ein Tag

Seit September 2014 wusste ich, dass ich am Ironman Hawaii starten durfte und das bereits das zweite Mal. Doch diesmal mit einem Coach im Nacken. So konnte ja nichts mehr schief gehen.

In diesem Jahr habe ich mir ein paarmal überlegt was besser ist; die Quali schon so früh zu haben oder erst später.  In einem Jahr kann viel passieren. Da kann es schon mal vorkommen, dass man das Ziel aus den Augen verliert. So stand ich nun am 10. Oktober 2015 am Start des legendären Ironmans.

Dazwischen lagen 293 km oder 115 Stunden im Wasser, 9’218 km oder 350 Stunden auf dem Rennrad, 1’594 km oder 143 Stunden beim Joggen sowie etwa 75 Stunden im Athletiktraining. Reicht das um beim legendären Ironman, in der Altersklasse, als Erste einzulaufen? Dazu kam noch, dass ich mir vier Tage vor dem Rennen eine Erkältung eingefangen habe. Das Gute daran war, ich verspürte keine Nervosität.

Um 07.10 Uhr ging der Kanonenschuss los und es hiess wieder mal, schwimm um dein Leben 🙂 Dank den Anweisungen von Coach Kurt, konnte ich zum grössten Teil der Massenschlägerei im Wasser aus dem Wege gehen. Dieses Jahr war die Strömung extrem. Wahrscheinlich kam mir auch aus diesem Grund die Schwimmstrecke als „Never ending Story“ vor. Im Nachhinein kann ich sagen, es hat sich gelohnt im 2014 nicht nach Hawaii zu gehen. Konnte ich doch meine Schwimmleistung um einiges verbessern 🙂

Ich staunte auch dieses Jahr wieder, wie viele Meter in der Wechselzone absolviert werden müssen. Schon das alleine wäre eine vierte Disziplin wert.

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Auf dem Rad hatte ich fast alles. Von sintflutartigem Regen mit Seitenwind, Gegenwind, einfach den Rückenwind vermisste ich. Der ging wohl vergessen in meiner Wunschliste. Das muss ich mir unbedingt notieren, sollte ich nochmals in Hawaii starten 🙂 In Hawi (Wendepunkt Rad) fehlten meine zwei Bidons, welche ich am Morgen abgegeben habe. So musste ich zu Plan B übergreifen und die Getränke vom Veranstalter nehmen, was für mich kein grösseres Problem darstellte. Was mich mehr belastete war, dass meine Radschaltung die letzten ca. 60 KM ausfiel resp. ich nur noch die zwei vorderen Gänge hatte. Was war ich froh, dass wir von da an nur noch Gegenwind hatten. Sonst hätte ich ein grösseres Problem gehabt. So musste ich halt ein wenig harter pedalen.

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Als ich endlich meine geliebten Turnschuhe anziehen konnte, wusste ich, es kommt gut. Da es relativ heiss war, habe ich mir von Anfang an vorgenommen, dass ich bei jeder Verpflegungsstation marschieren werde. So konnte ich mich gründlich verpflegen und vor allem kühlen. Es lief wie am Schnürchen. Kurzweilig war auch, dass ich mehrheitlich immer jemanden kreuzte, den ich kannte. Als ich auf den Highway abbog, wusste ich, heute würde es ein langer Weg ins Energy Lab und wieder zurück. Das ich kein Pylonen Trauma bekam, zog ich meine Mütze weit ins Gesicht 🙂 Auf dem Rückweg bekam ich auch viele Motivationszusprüche der männlichen Athleten, welche ich gerne annahm. Die letzten zwei Kilometer waren richtig hart. Da lies auch mein Laufstil zu wünschen übrig. Am liebsten wäre ich nur noch marschiert. In meinem inneren Augen, sah ich nur noch die Salatschüssel, die ich unbedingt wollte und das trieb mich voran.

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Nach dem Zieleinlauf ging es eine ganze Weile bis ich endlich Beat in die Arme schliessen konnte und er mir bestätigte, dass ich meine Altersklasse gewonnen habe. Unvorstellbar! Kurt glaubte immer daran! Ich, wie bereits erwähnt, verlor manchmal mein Ziel aus den Augen.

Es hat mir mal wieder gezeigt, dass der Athlet seine „Arbeit“ selber machen muss. Doch wenn er hintenan nicht ein starkes Team hat, kann er noch so stark sein. Er wird nie seine Ziele erreichen. Merci, Beat, dass du mir immer den Rücken freihältst, dass ich Zeit zum trainieren habe. Merci, Kurt, für deine ellenlangen Trainingspläne und deine Art, auch wenn ich manchmal „bockig“ bin!

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