Archiv für den Autor: Sandra Dänzer

Von Trainingsweltmeistern, richtigen Weltmeistern und Raceday im Trainingslager

In der Schweiz ist das Wetter nicht wirklich trainingsfreundlich also was macht man, man fährt irgendwohin wo die Sonne scheint und die Strassen nicht vereist sind. Seit ich Trainingsplan gesteuert bin, trainiere ich dementsprechend auch viel alleine, von daher geniesse ich es im Trainingslager unter Gleichgesinnten zu sein um nicht immer alleine meine Radeinheiten zu absolvieren. Da kann es durchaus vorkommen, dass man halt nicht immer in seinen Bereichen trainiert, was ja auch nicht weiter schlimm ist, insofern das nicht an jedem Tag so ist.
Wie letztes Jahr ging es dieses Jahr in die Region Andalusien nach Mojacar mit dem Team Koach. Bereits am Flughafen hatte ich ein déjâ-vu. Nach endloser Warterei auf unser Gepäck, stellten wir fest, dass der Carchauffeur keinen Anhänger hatte und somit unsere Räder nicht alle Platz im vorgesehenen Stauraum hatten. Kurzerhand wurde das restliche Gepäck auf den freien Sitzen verteilt. Müde aber voller Vorfreude kamen wir um 00.30 Uhr in unserem Hotel an, welches unser
14-tägiges zu Hause wurde.

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Dadurch, dass wir erst so spät im Hotel ankamen, war für den nächsten Tag eine lockere Radausfahrt vorgesehen. Man soll es ja ruhig angehen, damit man nicht schon in der Wochenhälfte müde ist. Es kam so wie es kommen musste, wenn ein Haufen motivierter Triathleten zusammenkommen.

ACHTUNG, FERTIG, LOS – RACEDAY! Bereits das Anfangstempo war relativ hoch, doch für mich noch im grünen Bereich. Nach ca. einer Stunde gab es eine Tempoerhöhung……..Habe ich was verpasst? Habe ich meine Startnummer im Hotel vergessen?……. Rasch war ich die hinterste in der Gruppe und der Abstand zu meinen „Mitstreiter“ wurde immer grösser. Buah….. was für eine lahme Ente bin ich den geworden. Wahrscheinlich habe ich mir zu viel Winterspeck angefuttert 🙂 Auf jeden Fall, am Schluss waren wir noch zu zweit unterwegs. So nach dem Motto zehn kleine Negerlein machen eine Radausfahrt, da waren es nur noch zwei.

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Wie es dann halt so ist, eine Woche oder sogar 14 Tage sind eine lange Zeit und solch ein Tempo kann nicht lange gehalten werden. So kann es vorkommen, dass Anfangs der Woche die schnelleren Gruppen „überfüllt“ sind, doch bereits Mitte Woche erhalten die gemächlicheren Radler immer mehr Zuwachs von solchen, die sich übernommen haben. Ich glaube, man kann in zehn Trainingslager gehen und es spielt sich immer dasselbe ab.

Es gibt halt Trainingsweltmeister und richtige Weltmeister. Zu welcher Sorte ich gehöre ist wohl keine Frage 😉

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So war ich in diesen 14 Tage oft alleine, zu zweit oder zu viert unterwegs. Das Fazit war, dass ich in der zweiten Woche immer fitter wurde und zum Teil die anderen müder. Auf jeden Fall hatte ich in meiner Weiterbildung, was die Trainingslehre anbelangt, definitiv keinen Fensterplatz! So verging die Zeit wie im Fluge. Es wurden viele Rad-, Lauf- und auch Schwimmkilometer absolviert. Zwar nicht alle im Grundlagentempo, da auch ich zwischendurch die Schnellste sein wollte 🙂
Die Saison 2016 kann kommen. Danke euch allen, die dabei waren. Ich habe die Zeit mit euch genossen 🙂

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100 x 100

Man nehme: einen verregneten Tag, wo man sowieso lieber drinnen bleibt als draussen zu trainieren; 100 freiwillige Personen, für die Wasser kein Fremdwort ist; mietet eine Schwimmhalle und organisiert einen Anlass 100 x 100. Richtig gelesen, man absolviert 10 KM schwimmend zurück!

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Als mir Petra Anfangs Januar schrieb „Bist du auch dabei“, dachte ich mir zuerst, was 10 KM schwimmen, ich spinn doch nicht. Am anderen Tag schrieb ich ihr zurück „Bin dabei“!

Da der Anlass in Hamburg stattfand, konnten wir die Reise auch gleich als Auszeit aus dem Trainingsalltag verbuchen. Der Start war erst um 19.00 Uhr und so konnten wir den ganzen Tag für Sightseeing und Shopping nutzen. Sogar ein Besuch im Kaffeemuseum, mit x Variationen an Kaffeesorten fand darin noch Platz. Petra machte die Erfahrung, dass nicht immer das Teuerste das Beste sein muss. Sie war mutig und degustierte den berühmten Kaffee, der aus Katzenscheisse von der Schleichkatze (Kopi Luwak) hergestellt wird. Kostenpunkt 12 Euro für 2.5dl.

Meine grössten Bedenken waren, hoffentlich pinkelt niemand ins Wasser und ich wollte keinen Querschläger in unserer Gruppe. Von der Kondition her, wusste ich, wir sind parat. Wie es mit meiner mentalen Stärke aussah, wusste ich nicht. Ist es doch sehr eintönig wie ein Hamster im Rad, oder besser wie ein Fisch im Aquarium 100 x 100 in einem 50m Becken mit einer Abgangszeit von 2.15 min. zu schwimmen.

In unserer Gruppe waren vier Frauen sowie drei Männer. Die Männer bestimmten die Reihenfolge. Wir Frauen vorab, die Männer kamen nach. So war Petra das Zugpferd und ich an zweiter Stelle. Nach je 2.5 KM gab es eine fünfminütige Pause. Als Triathletinnen hatten wir da klar einen Vorteil 🙂 War es für uns doch kein Problem sofort von der horizontalen Lage in die vertikale zu wechseln. Jedenfalls waren wir immer die ersten auf der Toilette.

Die ersten 2.5 KM vergingen wie im Fluge. So nach dem Motto, dass Einschwimmen haben wir hinter uns. Die nächsten 2.5 KM widmete ich meinem Armzug. Weit vorne eintauchen, hoher Ellbogen, Druckphase, Arm rauss, weit vorne eintauchen, hoher Ellbogen……. Ach was, schon wieder Pause 🙂 Bei den Kilometern 5-7.5 achtete ich auf meine Kopfhaltung. Die letzten 2.5 KM sah ich dann als Ausschwimmen an nach einem langen Training 🙂

Dank Petra konnten wir jeden 100er in einem Tempo von 1.50 min. schwimmen. Obwohl am Schluss unsere Schwimmgspändli Mühe hatten, dass Tempo zu halten, haben wir es alle geschafft in unserer Bahn. Ich hatte ein wenig Kampfspuren von meinem Badekleid oder vielleicht auch von der Badekappe am Hals, aber ansonsten haben wir unser Abenteuer ohne Probleme gut überstanden. Danke Petra!

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Kurt meinte vor dem Anlass „Ich soll meine Grenzen verschieben“. Leider muss ich dir mitteilen, „ich weiss immer noch nicht wo meine Grenzen sind“ 🙂

Was für ein Tag

Seit September 2014 wusste ich, dass ich am Ironman Hawaii starten durfte und das bereits das zweite Mal. Doch diesmal mit einem Coach im Nacken. So konnte ja nichts mehr schief gehen.

In diesem Jahr habe ich mir ein paarmal überlegt was besser ist; die Quali schon so früh zu haben oder erst später.  In einem Jahr kann viel passieren. Da kann es schon mal vorkommen, dass man das Ziel aus den Augen verliert. So stand ich nun am 10. Oktober 2015 am Start des legendären Ironmans.

Dazwischen lagen 293 km oder 115 Stunden im Wasser, 9’218 km oder 350 Stunden auf dem Rennrad, 1’594 km oder 143 Stunden beim Joggen sowie etwa 75 Stunden im Athletiktraining. Reicht das um beim legendären Ironman, in der Altersklasse, als Erste einzulaufen? Dazu kam noch, dass ich mir vier Tage vor dem Rennen eine Erkältung eingefangen habe. Das Gute daran war, ich verspürte keine Nervosität.

Um 07.10 Uhr ging der Kanonenschuss los und es hiess wieder mal, schwimm um dein Leben 🙂 Dank den Anweisungen von Coach Kurt, konnte ich zum grössten Teil der Massenschlägerei im Wasser aus dem Wege gehen. Dieses Jahr war die Strömung extrem. Wahrscheinlich kam mir auch aus diesem Grund die Schwimmstrecke als „Never ending Story“ vor. Im Nachhinein kann ich sagen, es hat sich gelohnt im 2014 nicht nach Hawaii zu gehen. Konnte ich doch meine Schwimmleistung um einiges verbessern 🙂

Ich staunte auch dieses Jahr wieder, wie viele Meter in der Wechselzone absolviert werden müssen. Schon das alleine wäre eine vierte Disziplin wert.

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Auf dem Rad hatte ich fast alles. Von sintflutartigem Regen mit Seitenwind, Gegenwind, einfach den Rückenwind vermisste ich. Der ging wohl vergessen in meiner Wunschliste. Das muss ich mir unbedingt notieren, sollte ich nochmals in Hawaii starten 🙂 In Hawi (Wendepunkt Rad) fehlten meine zwei Bidons, welche ich am Morgen abgegeben habe. So musste ich zu Plan B übergreifen und die Getränke vom Veranstalter nehmen, was für mich kein grösseres Problem darstellte. Was mich mehr belastete war, dass meine Radschaltung die letzten ca. 60 KM ausfiel resp. ich nur noch die zwei vorderen Gänge hatte. Was war ich froh, dass wir von da an nur noch Gegenwind hatten. Sonst hätte ich ein grösseres Problem gehabt. So musste ich halt ein wenig harter pedalen.

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Als ich endlich meine geliebten Turnschuhe anziehen konnte, wusste ich, es kommt gut. Da es relativ heiss war, habe ich mir von Anfang an vorgenommen, dass ich bei jeder Verpflegungsstation marschieren werde. So konnte ich mich gründlich verpflegen und vor allem kühlen. Es lief wie am Schnürchen. Kurzweilig war auch, dass ich mehrheitlich immer jemanden kreuzte, den ich kannte. Als ich auf den Highway abbog, wusste ich, heute würde es ein langer Weg ins Energy Lab und wieder zurück. Das ich kein Pylonen Trauma bekam, zog ich meine Mütze weit ins Gesicht 🙂 Auf dem Rückweg bekam ich auch viele Motivationszusprüche der männlichen Athleten, welche ich gerne annahm. Die letzten zwei Kilometer waren richtig hart. Da lies auch mein Laufstil zu wünschen übrig. Am liebsten wäre ich nur noch marschiert. In meinem inneren Augen, sah ich nur noch die Salatschüssel, die ich unbedingt wollte und das trieb mich voran.

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Nach dem Zieleinlauf ging es eine ganze Weile bis ich endlich Beat in die Arme schliessen konnte und er mir bestätigte, dass ich meine Altersklasse gewonnen habe. Unvorstellbar! Kurt glaubte immer daran! Ich, wie bereits erwähnt, verlor manchmal mein Ziel aus den Augen.

Es hat mir mal wieder gezeigt, dass der Athlet seine „Arbeit“ selber machen muss. Doch wenn er hintenan nicht ein starkes Team hat, kann er noch so stark sein. Er wird nie seine Ziele erreichen. Merci, Beat, dass du mir immer den Rücken freihältst, dass ich Zeit zum trainieren habe. Merci, Kurt, für deine ellenlangen Trainingspläne und deine Art, auch wenn ich manchmal „bockig“ bin!